Anfang 2015 sind wir via Twitter auf das erste HR Bar Camp in Zürich (siehe auch Twitter unter #HRBCZ15) aufmerksam geworden. Inspiriert durch das erfolgreiche Original aus Berlin dachte sich das Team rund um Jennifer Delorme, Jörg Buckmann sowie Matthias Mäder, dass es Zeit für ein eigenes Bar Camp rund um HR Themen in der Schweiz sei. Und um dem Fazit schon einmal voraus zugreifen – sie hatten damit mehr als recht!

Wir hatten bereits zuvor einige dem Bar Camp ähnliche Formate kennengelernt (zuletzt ein Open Space im Rahmen der Premiere von AUGENHÖHE in Hamburg) und sind überzeugt davon. Denn es entspricht komplett unseren Vorstellungen von Austausch und Einbezug.

Bar Camp – sitzen da alle einfach nur an der Bar herum?
Ganz so ist es nicht – wobei, wer möchte kann das tun. Denn es geht um Eigenverantwortung dabei. Jeder bringt sich so ein, wie er kann, möchte und gerade Lust dazu hat. Und damit ist es auch einer Bar nicht unähnlich – ungezwungene und angeregte Gespräche sind ebenso möglich, wie stilles beobachten oder einen Moment für sich sein.

Das Prinzip ist recht simpel. Alle Teilnehmer können innerhalb von 30 Sekunden ein Thema vorzustellen, das sie später diskutieren möchten. Die Vorschläge werden gesammelt und ausgehängt. Anschliessend kann jeder die gleiche Anzahl von Punkten vergeben und die mit den meisten Punkten, werden dann im Rahmen des Bar Camps diskutiert.

Dem Orga-Team fällt dann die Aufgabe zu, diese Themen in einem Zeitplan unterzubringen. Beim HRBCZ waren das insgesamt 4 Slots zu je 45 Minuten, in den zwischen 3 und 5 verschiedene Themen parallel diskutiert wurden. Und jeder hat die Freiheit sich dort einzubringen, wo am ehesten Interesse besteht und/oder etwas beitragen werden kann.

Die Themenauswahl
Wir haben uns aus naheliegenden Gründen für das Thema ‚Arbeiten auf AUGENHÖHE‘ entschieden. Es zeigte sich allerdings sehr schnell, dass das Publikum und die Themenvorschläge sehr Recruiting-lastig waren. Wir hatten also zumindest bei der Themenauswahl einen eher schweren Stand hatten und unser Vorschlag wurde dann auch nicht gewählt. Aber es gab ja noch die eigentlichen Sessions – und hier möchten wir vorweg greifen: Arbeiten auf AUGENHÖHE bewegt und hat in allen Sessions, in denen wir teilnahmen, einen Platz gefunden.

Und mit diesen ging es dann nach einer kurzen Pause auch richtig los.

Session 1 – lasst uns über ‚Führung‘ sprechen
Bei der ersten Session war für uns klar, dass wir uns für das Thema Führung entscheiden. Initial ging es um die Frage, wie Nachwuchsführungskräfte besser unterstützt werden können, um Vorgaben der Firma umsetzen. Für uns steht der Mensch im Vordergrund. Regeln, Richtlinien, Anweisungen, Vorgaben sind unserer Erfahrung nach wenig hilfreich, um stärken-orientierte Führung zu unterstützen. Am Ende ist die Zeit knapp gewesen – und schlussendlich sind wir doch wieder bei dem Thema Arbeiten auf AUGENHÖHE, Nutzen von Potentialen sowie der Notwendigkeit eines Paradigmen-Wechsels gelandet.

Session 2 – Frauen an die Macht
Bei diesem Thema lief insbesondere Ralf warm und polarisierte mit der Frage, was denn der Nutzen für Unternehmen als Motivation für die Forderung nach mehr Frauen in der Führung sei. Denn unsere Überzeugung ist, dass mit Lösungen auf Augenhöhe alle beteiligten Menschen erreicht werden können. Und hier sind wir überzeugt davon, dass eine reine, geschlechtsbasierte Regelung zumindest nicht alleine Missstände der Vergangenheit behebt.

Wir sind alles andere als Freund von ‚Mann ist so und Frau ist so‘. Dennoch haben wir zunächst die Annahme getroffen, dass es prozentual betrachtet einen höheren Anteil von Frauen gibt, deren Fähigkeiten insbesondere im Bereich von Sozialkompetenz und Empathie ausgeprägt sind.
Schaut man sich dann die Fähigkeiten an, die nach wie vor mehrheitlich für den Karriereweg benötigt werden, so sind dies klassischerweise Durchsetzungsfähigkeit, analytischer Verstand, Wettbewerbsorientierung, Direktheit usw. Und hier sind wir nun bei der Crux an der Sache. Wird sich dies einfach dadurch ändern, dass mehr Frauen – wie z.B. in Deutschland via Quote – in führende Positionen gelangen. Oder braucht es zunächst und/oder parallel ein Umdenken, um andere Fähigkeiten zu schätzen und auch hierfür den Karriereweg zu öffnen? Und wenn nicht – senden wir nicht einfach nur als Gesellschaft das Signal aus, dass Frauen sich doch bitte jetzt endlich genau so verhalten sollen, um Karriere zu machen? Es würde lediglich bedeuten: Passt euch an, wenn ihr Karriere machen wollt oder es wird nichts damit. Denn im Übrigen ist es egal ob Mann oder Frau, dies gilt unserer Erfahrung nach unabhängig vom Geschlecht. Denn auch Männer trifft hier das gleiche Schicksal, die nicht die geforderten Fähigkeiten mit sich bringen – der Karriereweg wird schwerer wenn nicht gar verschlossen bleiben.

Viel zu schnell war die Zeit dann auch schon wieder vorbei und das Mittagessen stand bereits an.
Zeit für weitere Diskussionen, Gespräche aber auch ein wenig verschnaufen und durchatmen. Das Essen war lecker, die Luft angeheizt durch die qualmenden Köpfe und nach einer Abkühlung an der frischen Luft ging es dann auch weiter.

Denn die Zeit rannte und gleich folgte Session Nummer drei, die wir bewusst ausliesen. Wir hatten in Hamburg tolle Erfahrungen damit gemacht, einfach an der ‚Bar‘ zu stehen und den Austausch mit anderen zu suchen. Häufig entstanden hierbei die besten Gespräche und Diskussionen. Das ist einer der wenigen Punkte, die wir uns beim nächsten HRBZ etwas anders wünschen würden – mehr bewusste Nutzung von Freiräumen zum individuellen Austausch. Denn dieses Mal waren wir mehr oder minder alleine – was nach den hitzigen Diskussionen am Vormittag nicht sonderlich dramatisch war. Ein wenig abkühlen tut ab und an gut.

Session 4 – ‚Arbeitsplatzkultur‘
Hier stand die Frage im Raum, ob und wie ‚Arbeitsplatzkultur‘ messbar sei.Es zeigte sich dabei, dass alleine schon die Frage ‚Was ist denn überhaupt eine Arbeitsplatzkultur‘ gar nicht so einfach zu beantworten war. Sehr schnell machten wir daher einen Abriss durch Unternehmenskultur, Verhalten, was heisst Kultur überhaupt und der Frage, wozu will ich über Kultur messen?

Rückblickend war diese Session für uns diejenige, in der wir uns am wenigstens einbrachten. Das mag an der Uhrzeit gelegen haben oder eben auch am Thema. Aber dennoch ging auch hier die Zeit sehr schnell rum und schon hiess es, auf zum grossen Finale.

Session 5 – die Überraschungsgäste
Hier hatte sich das Orga Team mit Blick auf die Nähe zum Frauenmünster etwas besonderes einfallen lassen. Eingeladen waren der Manager der Kirchenpflege, dessen Hauptberuf im Management bei der UBS liegt sowie einer der Mitarbeiter, der als Sigrist arbeitet. Die Grundfragen waren sehr häufig gar nicht so sehr anders, als in einem Unternehmen aus der Privatwirtschaft. Und dennoch oder gerade deswegen war es zusätzlich spannend, Einblicke in die Arbeit, das Miteinander und die Herausforderungen zu erhalten.

Nachdem der offizielle Part beendet war, ging es noch zu einem reichhaltigen Apéro, bei dem wir die Diskussionen weiterführten. Als einer der letzten verliessen wir dann auch Karl den Grossen und blickten müde aber zufrieden auf einen Tag mit intensiven Diskussionen und tollen Kontakten zurück.

Für uns war klar – HR Bar Camp in Zürich 2016? Keine Frage, wir sind dabei!

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