Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen ist es insbesondere Ralf gewesen, der für das Thema ‚Mensch im Projekt‘ ein besondere Faible hat. Insofern hat sich angeboten, das 2. PM Camp in Zürich zu besuchen, welches am 05. & 06. Juni im 25h Hotel (Zürich West) stattfand.

Ich hatte nur eine einzige Erwartung an das Camp: Interessante und spannende Menschen zu treffen und eine tolle Zeit zu haben. Und hier vorab – das wurde alles einfach übertroffen!

Mein Fazit der beiden Tage:

Sehr positiv sind für mich zurückblickend die Themen gewesen: Hatte ich vorher noch vermutet, in vielen Sessions über Projektmanagement-spezifische Themen wie Methodik, Tools etc. zu diskutieren,  so wurde ich überrascht. Denn Themen wie Bildung (Wie lernt man in Unternehmen? oder ‚Unschooling‘), Customer Relations (Wie gehe ich mit den unterschiedlichen Kunden um?), Kultur (Was wollen Menschen?), Führung oder Augenhöhe haben eins gezeigt:
Das Thema Mensch scheint auch oder insbesondere im Projektbereich alle zu bewegen.


Impulsvortrag (Freitag)

Nadja Schnetzler von word and deed sprach in ihrem Vortrag über wirkliche Inspiration, Denkanstösse für die tägliche (Projekt)Arbeit im Team aber auch mit sich selbst. Ihr Fundus an Erfahrungen (mehrere hundert Projekte in den letzten Jahren) hat Nadja immer wieder auf anschauliche Art und Weise eingebracht. Eine der vorgestellten Inspirationskarten lautete: Gib mehr als Du bekommst – und getreu dem Motto hat sie grosszügig angeboten, die Inspirationskarten als kleines Geschenk gerne weiterzugeben. Danke nochmal an dieser Stelle, denn es waren ein paar interessante Sprüche dabei.

Voller Energie sind wir anschliessend an die Sessionsplanung des ersten Tags gegangen. Augenhöhe durfte dabei nicht fehlen und wurde dabei von uns vertreten. Aber der Reihe nach.

Wirkungsbereiche des me&me Firmencoaching-Prozesses

1. Session – Das Gesetzt der zwei Füsse
Irgendwie konnte ich mich nicht für ein Thema entscheiden und habe mich dann an das Gesetz der zwei Füsse gehalten. D.h. ich gehe also dorthin, wo es für mich passt. Dabei bin ich auch gleich über Gregor Fröhlich gestolpert, den ich schon online u.a. über Augenhöhe und Neues Arbeiten kannte aber auch vom Sales Netzwerk Ost. Auf ein Treffen und den Austausch mit ihm hatte ich mich schon länger gefreut und so hat es gleich zu Beginn geklappt. Was für ein Start!

Es waren kurze 45 Minuten und bestimmt auch nicht der letzte längere Austausch – wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

2. Session – Unternehmenskultur & Teamperformance
Schnell war in der Runde klar, dass es eine Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen der Mehrzahl der Unternehmen und denen der Mitarbeitenden gibt. Wir waren uns aber einig, dass dies aus einer privilegierten Situation erfolgt, da Sicherheit vorhanden, kein Hunger herrscht etc. (Maslow lässt grüssen).

Klar war auch hier – echte Veränderung kann nur von innen nach aussen erfolgen. Top-Down oder Bottom-Up (alleine) reichen nicht. Es braucht letztlich beides – Mitarbeitende sowie Unternehmen/Management, die einen Sinn in der Veränderung sehen.

‚Raus aus der zum Scheitern verurteilte Zwangsarbeit‘ ist dabei erwähnt worden. Bei der Frage nach dem Wie? ist aber auch klar geworden, dass Eigenverantwortung kein einfaches Thema ist.

Nach dem leckerem Mittagsessen und der – wie so häufig – zu kurzen Mittagspause (die Gespräche waren einfach auch dort spannend) ging es also weiter.

Session 3 – Augenhöhe (Was? Wozu? Wie?)
Im Gegensatz zum HR Bar Camp schlug das Thema richtig ein – die Session war gut besucht obwohl 9 von 10 den Film noch nicht kannten. Gregor schloss sich der Diskussion an und brachte zusätzliche Impulse mit Blick auf Neue Arbeitswelten ein.

Hilfreich war unser Blog Beitrag in jedem Fall für die Diskussion. Denn alleine bei dem Thema ‚Was heisst denn überhaupt Augenhöhe‘ war es gut, ein gemeinschaftliches Verständnis zu erarbeiten.

Das WIE? haben wir dabei auch kurz angerissen. Am Ende zählt auch hier das Prinzip von innen nach aussen, d.h. zunächst beginnt es bei mir selbst bevor ich zu anderen Menschen gehe.
Fazit: Ein Rezept gibt es in nicht. Die Frage, die es viel mehr zu klären gilt: Wozu möchte sich z.B. ein Unternehmen näher mit einer solchen Veränderung beschäftigen, was ist also die Absicht? Und dann finde ich auch einen Weg.

In jedem Fall ein spannender & interessanter Austausch, der viel zu schnell vorüber war.

Session 4 – Make Innovation happen
Die Diskussion hat mich etwas weniger berührt – interessant dabei war aber vor allem, dass die Diskussion hitzig wurde, weil – nach meinem Verständnis – nicht klar war, was genau Innovation überhaupt bedeutet.
Es wurde viel über Evolution sowie disruptive Innovation gesprochen, über Erfindung und schöpferische Zerstörung. Am Ende ein sehr lebendiger Austausch mit einem – für mich – unklaren Ergebnis. Aber auch das ist Bar Camp / Open Space.

Session 5 – Think Negative
Roland Dürre, einer der Gründer der PM Camp Bewegung, wollte unsere negativsten Projekterlebnisse sammeln. Und das war gar nicht so einfach. Denn die meisten der Erfahrungen waren eher in der Kategorie ’nicht so‘ statt ‚worst project ever‘. Einige interessante Beispiele waren mit dabei. Irgendwann kam dann auch die Frage auf, wie man individuell mit solchen Situationen umgeht – Eigenverantwortung lässt grüssen.

PM Party
Bei all der Arbeit darf das Feiern nicht zu kurz kommen. Und das Orga-Team hat da ein glückliches Händchen bewiesen. Location, Wetter, Sound – es hat alles gepasst!

Lange bin ich nicht geblieben – Formate diese Art können auf eine positive Art und Weise sehr intensiv sein, sind aber zugleich auch anstrengend. Und dementsprechend war ich auch recht schnell müde.

Impulsvortrag (Samstag) – ‚Unschooling‘
Am Samstagmorgen ging es dann direkt – in Begleitung eines Filmteams des SRF – mit einem Impulsbeitrag von Bruno Gantenbein zum Thema ‚Unschooling‘ weiter. Ja, das Thema war etwas gewagt aber hat auch hier den Zeitgeist voll getroffen. Bruno und seine Familie sind aus Überzeugung und nach reiflicher Überlegung zum ‚Unschooling‘ gekommen. Und der Erfolgt gibt ihnen bisher mehr als nur recht. Er ist gerade am Schreiben eines Buchs und wer Interesse hat, kann bestimmt mehr Informationen von ihm bekommen.

Für mich war es sehr inspirierend und hat mich zu 100% angesprochen. Denn statt als Erwachsener mit viel Aufwand Potenzial-Nach-Entfaltungzu betreiben, wäre es doch toll, wenn jedes Kind bereits sein eigenes Potenzial frühzeitig frei und spielerisch erkennt und zu nutzen weiss. Einen schönen Bericht mit dem Titel ‚Für das Leben lernen statt für die Schule‘ kann man auch im Migros-Magazin nachlesen.

Spiral Dynamics und Lernen

Session 1 – Customer Relations
Und wieder so ein Thema rund um den Mensch. Es standen drei Fragen dabei im Raum:
– Wie viele Informationen soll ich einem Kunden zur Verfügung stellen?
– Wie häufig soll dieser informiert werden?
– Wie ‚überzeuge‘ ich einen Kunden?

Sehr schnell kam hier das Structogram in’s Spiel, was ein einfaches Modell bietet, um ein besseres Verständnis des Kunden zu erhalten. Als Vertiefung habe ich dann das von me&me genutzte Menschenbild eingebracht, das viel tiefer und wirkungsvoller in den Alltag integriert werden kann.

Unabhängig von dem Modell – auch hier beginnt der erste Schritt bei mir selbst (Stichwort: Wachstum von innen nach aussen). Wenn ich mich selbst noch besser kennenlerne, dann habe ich schon eine Idee, wie ich auf andere wirke. Und dann kann ich mich auch gezielt damit beschäftigen, wie andere Menschen sind, was diese brauchen.

Beispiel: Ich bin ein extrovertierter, durchsetzungsfähiger Verkäufer, der Angebote gut erstellen und zum Abschluss bringen kann. Als solcher werde ich möglicherweise mehr Mühe mit einem Menschen haben, der introvertiert ist und Struktur, Klarheit sowie Fakten braucht. Dieser trifft Entscheidungen nicht sofort sondern erst nach reiflicher Überlegung. Und mit dem Wissen über mich selbst sowie meinem gegenüber erhalte ich mehr Möglichkeiten bewusster auf diesen einzugehen. Oder aber, mir bleibt diese Gruppe von Menschen überwiegend nicht zugänglich.

CR & Menschenkenntnis

Session 3 – Unschooling (again)
Auf vielfachen Wunsch hat Bruno eine Session zu dem Thema vorgeschlagen. Und ich vermute, dass es sich dabei um die mit den meisten Teilnehmern am ganzen Camp handelte. Es wurde dabei noch deutlicher, wie das Thema bewegt.

Wir hatten alle die Chance über mögliche Gefahren wie soziale Vereinsamung zu sprechen. Aber auch über Themen wie Potenzial-Nach-Entfaltung und die Frage, wie es anders sein könnte. Das war mit eine der für mich intensivsten Sessions, was bestimmt auch an der persönlichen Betroffenheit lag.

Session 4 – Change Management – Evolution oder Erdbeben?
Der Auslöser dieser Diskussion war das Vorhaben einer Firma, agil zu werden. Und glücklicherweise gab es einige Vertreter von Unternehmen, die selbst bereits einen solchen Wandel durchlaufen sind.

Wie wichtig sind denn überhaupt Tools und Methodik vs. Mensch und Haltung? Gerade das Prinzip Veränderung von innen nach aussen macht dies noch einmal deutlicher. Tools und Methodik kommen anschliessend und können auch nur erfolgreich und nachhaltig sein, wenn diese wirklich gewollt sind.

Und da war er wieder, der Mensch. Denn jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse, der eine ist wandelbegeistert, der anderer mag lieber die Beständigkeit. Wie erkenne ich das eher? Was kann ich als Unternehmen tun, um die Menschen individuell abzuholen? Spannende Fragen, die den Wandel der Zeit sehr schön reflektieren.

Session 5 – Management im Wandel
Roland ist hier auf Thesen eines St. Galler Professors eingegangen, die diese schon im letzten Jahrtausend (hört sich besser an als vor 25 Jahren) verfasst hat. Und die in ihrem Kern heute nach wie vor Gültigkeit besitzen.

Müde durch die zwei Tage bin ich dabei irgendwann ausgestiegen und habe mich wieder des Gesetzes der zwei Füsse bedient.
Und dann ging alles ganz schnell im Anschluss – eine kleine Closing Runde, ein paar kurze Gespräche und das PM Camp Zürich 2015 war zu Ende. Das schöne Wetter hat bestimmt seinen Teil dazu beigetragen.

In jedem Fall vielen Dank an das Orga-Team – ich bin nächstes Jahr bestimmt wieder mit dabei!

 

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