Lange habe ich (Ralf) überlegt, ob ich zur Agile Bodensee gehen soll oder nicht. Eine klassische Konferenz, hmm, eigentlich nicht so mein Ding. Durch Zufall sah ich dann aber, dass es noch einen Workshop Tag gab. Und einer davon drehte sich um den Menschen. Also Grund genug, dabei zu sein.

Aber zunächst: Was hat me&me überhaupt mit agiler Softwareentwicklung zu tun? Vieles!

  • Wir haben beide einen IT-Background und sprechen die Sprache von Business und IT.
  • Wir haben beide früh erkannt, dass der entscheidende Faktor für Erfolg oder Misserfolg der Mensch ist.
  • Was sich auch in meiner langjährigen Projekterfahrung immer wieder bestätigt:
    Wirkliche Misserfolge gehen fast immer auf Probleme in der zwischenmenschlichen Interaktion zurück.

Und da für uns gerade bei agiler Zusammenarbeit der Mensch noch stärker im Fokus steht, wissen wir, dass wir hier einen wirklichen Mehrwert leisten können.

Mittwoch, 30. September – Workshop Tag

Der Blick aus dem Workshop Raum - da macht das Arbeiten Spass!Workshop ‚Starkes Ich – Starkes Wir‘
Am 30. September ging es mit wunderschönem Ausblick auf den Bodensee im Steigenberger Hof in Konstanz dann los. Der Workshop, der durch Juliane Kluge geleitet wurde, ist genau mein Ding gewesen.

Das schöne des Workshops war für mich auch die Zusammensetzung der Teilnehmer. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen, waren es hier fast ausschliesslich Praktiker, die agil arbeiten (und nicht nur darüber reden). Es gab also genug Praxisbeispiele. Und diese haben auch sehr schnell zu intensiven und spannenden Diskussionen geführt.

Natürlich kann man an einem solchen Tag nirgends in die Tiefe gehen. Der Themenstreifzug war aber sehr gelungen.

In der ersten Gruppenarbeit haben wir gleich gesammelt, was uns zum Thema ‚Starkes Ich‘ und ‚Starkes Wir‘ einfällt. Im späteren Austausch war auch hier wieder klar: Wachstum erfolgt immer von Innen nach Aussen, d.h. für ein starkes Wir braucht es auch Menschen, die bereits ein starkes Ich besitzen.

Anschliessend streiften wir das Thema ‚Radikale Selbstverantwortung‘, ‚Grenzen setzen‘, Beobachtung und Interpretation von menschlichem Verhalten sowie einem Kommunikationsmodell für erfolgreiche Interaktion.

Das Projekt AUGENHÖHE sowie weitere Inspiration wie Upstalsboom wurden sehr interessiert aufgenommen. Auch ein Zeichen dafür, dass sich etwas bewegt.

Openspace
Zum Tagesabschluss gab es ein Stehdinner gefolgt von einem Openspace. Hatte ich bereits einige Events in diesem Format hinter mich gebracht, war ich gespannt, wie dieser werden würde. Aufgrund der Uhrzeit und des vorangegangenen Workshops gab es lediglich einen Slot mit insgesamt 6 parallelen Sessions. Ich fand die Idee super, da viele das Format so  noch nicht kannten. Aber überzeugt hat es mich in der Form nicht – was möglicherweise auch meiner Müdigkeit geschuldet war. Daher – gerne einen ganzen Tag Openspace, ggfs. kann man das Format ja mit der Konferenz vermischen. Mal schauen, wie 2016 wird.

In jedem Fall hatte ich vorher und nachher noch interessante Gespräche, so dass sich der Abend in jedem Fall gelohnt hat. Alles in allem ein sehr gelungener Tag, der Lust auf mehr machte.

Donnerstag, 1. Oktober – Konferenztag

Wie bereits eingangs erwähnt, bin ich kein grosser Freund von klassischen Konferenzen. Und dennoch kann ich zurückblickend sagen, dass ich sehr viel Zeit und Raum mit anderen Menschen gefunden habe, die erhaltenen Impulse zu vertiefen.

Es waren in jedem Fall einige spannende Themen mit dabei:

  • Agile and Beyond
    Der Mensch im FokusThomas von Aken (Sybit) hat uns via Twitterwall zu Themen befragt und wollte wissen, was für uns agil bedeutet, welche Stärken und Gefahren wir darin sehen. Klar war: Ohne gut funktionierende zwischenmenschliche Interaktion funktioniert agil nicht. Diese ist das Fundament auf dem alles weitere aufbaut.
  • Beyond Agile: Self-Organisation for Tech Teams
    Vortrag Zalando auf der IT AgileSpannendes Thema, das von Tobias Leonhardt & Katarina Mattes (beide Zalando) präsentiert wurde. Die Slides sahen super aus, das Konzept hat sich interessant angehört – aber dennoch blieb der Eindruck im Raum hängen, dass es nicht auf den Punkt kam. Für viele Teilnehmer waren die meisten vorgetragenen Dinge eher normal und schon bekannt als grosse Neuerung.
  • LeSS: Die Skalierungs-Geschichte hinter einem neuen Onlineshop
    DM setzt auf die Entfaltung seiner MitarbeiterUnter diesem eher kryptischen Namen hat Dr. Patrick Seifried (ModusNext.ch GmbH) gemeinsam mit Stephan Seitz von dm selbst einen Einblick gegeben, wie der neue Onlineshop mit Large-Scale Scrum aufgebaut wurde. An für sich schon sehr interessant.
    Für mich persönlich war die Einführung noch spannender, d.h. wie arbeitet dm intern. Wie z.B. Mitarbeitergespräche, die in der Gruppe geführt werden. Mehr Selbstverantwortung und mehr Selbstorganisation. Sehr spannend!
  • Artgerechte Menschenhaltung – Eine wertschätzende Provokation für lebendige Führungskultur
    Gabriele Kottlorz über artgerechte MenschenhaltungGabriele Kottlorz (Kuntze Consulting + Coaching) kannte ich bereits von der Premiere AUGENHÖHE in Hamburg. Und ihr Vortrag war erfrischend anders, es ging um Helga, Einhornkotze und einen Nasenspülungstag. Im Kern stand die Frage, was wir Menschen brauchen, um uns auch bei der Arbeit wohlzufühlen. Ausserdem haben wir einen kleinen Einblick erhalten, wie Pferde in der Arbeit mit Menschen eine grosse Bereicherung darstellen können. Ich habe wirklich etwas gelernt.
  • Agree or Disagree, but Commit – How Top Teams boost their Effectiveness
    Agree or disagree but commitMischa Ramseyer (Pragmatic Solutions GmbH) und Pamela Hackett (Alexander Proudfoot) sind gemeinsam der Frage nachgegangen, wieso es so entscheidend ist, als ein Team zu handeln. Beide haben einen exzellent eingespielten Vortrag anhand eines traurigen Beispiels gegeben: Dem Absturz des Air France Flugs 447 im Jahr 2009. Am Ende hat eine Vielzahl von zum Teil widersprüchlichen Handlungen der Crew zu dem Unglück geführt.Die Kern-Aussage ergibt sich bereits aus dem Titel. Egal wie man sich persönlich entscheidet – wird im Team eine Entscheidung getroffen, ist es ineffektiv, nicht an einem Strang zu ziehen. Und dazu braucht es u.a. auch klare Entscheidungsfindungswege.
Fazit:
Zwei sehr intensive Tage mit viel Eindrücken gingen am Ende wieder schnell vorbei. Und nächstes Jahr sind wir bestimmt auch wieder mit dabei.

Denn eins hat sich uns nochmals bestätigt: Ist der Mensch bereits vorher ein wichtiger Bestandteil gewesen, verstärkt sich dies durch die Agilität zunehmend. Prozesse, Strukturen und Anweisungen werden durch Selbstorganisation ersetzt. Und das bedingt ein Mass an Bewusstheit über den Umgang mit sich und anderen, der nicht einfach so entsteht.

Denn: Wachstum entsteht immer von Innen nach Aussen.

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