Fehlerkultur oder der Unterschied zwischen Fehler und Irrtum

In den letzten Jahren ist der Begriff „Fehlerkultur“ immer häufiger zu hören. Da fordern Menschen enthusiatisch, dass man ja auch scheitern können muss und feiern frenetisch ihre Fehlschläge. An Fuck-Up Nights berichten Unternehmer von ihren Niederlagen. 

Und ja, es ist wichtig, dass Scheitern nicht mit Misserfolg gleichgesetzt wird. Dass es gesellschaftlich akzeptiert ist, wenn etwas nicht so wie erwartet läuft. Wenn man sich die Werdegänge der meisten höchst erfolgreichen Unternehmer anschaut, wird man feststellen, dass ihrem Erfolg zig, hunderte, manchmal tausende Fehlschläge vorausgingen.

Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.
Thomas A. Edison, der Erfinder der Glühbirne

Vielleicht haben nicht alle erfolgreichen Unternehmer, Gründer und Erforscher so viele Anläufe wie Thomas Edison nehmen müssen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist aber auch kein einziger davon ohne Misserfolge und Rückschläge dorthin gelangt, wo er nun steht. 

Elon Musk ist ein aktuelleres Beispiel. Er glaubte fest an den Erfolg von wiederverwertbaren Raketen. Er hat das Risiko genommen und wusste, ein weiterer Fehlschlag und Space X ist wirtschaftlich erledigt. Der Erfolg gibt ihm Recht. Aber was wäre gewesen, wenn es noch 3 weitere Versuche gebraucht hätte, zu denen er nicht mehr die finanziellen Mittel gehabt hätte? Hätten wir gesagt: Wow, toll dass Du es probiert hast! Oder: „Wir wussten ja schon vorher, dass das nichts werden kann. Looser!“

Denn wird von einer Fehlerkultur gesprochen, sind es im Kern meistens genau diese Qualitäten, die gefragt sind. Mut, neues auszuprobieren und das Risiko in Kauf zu nehmen, zu scheitern. 

Doch warum tun sich so viele Unternehmen so schwer mit dem Thema? Im Kern ist es – einfach ausgedrückt – eine Frage des Mindsets, des Vertrauens, der richtigen Rahmenbedingungen. Dazu aber in einem anderen Blog-Beitrag mehr. Denn alleine schon das Wort Fehler scheint Widerstände auszulösen. Als alternative könnte man hier statt Fehler auch Irrtum verwenden. 

Fehler oder Irrtum – wo ist der Unterschied?

Sind Edison’s 10.000 Wege es nicht zu tun nun Fehler? Ich habe einen Blick in den Duden geworfen. Dort steht sinngemäss: Fehler = etwas weicht vom Richtigen ab. Es kann aber auch eine irrtümliche Entscheidung sein. Und jetzt wird es Zeit für eine Differenzierung:

Bedeutung Fehler 

Durch vorhandene Erfahrungswerte (entweder eigene oder die meines Unternehmens) hätte ich wissen können, dass der Weg nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. Dass es für eine standardmässige Durchführung einer wiederholenden Tätigkeit wie z.B. der Reisekostenabrechnung Sinn machen kann, einen Weg festzulegen, leuchtet vermutlich ein. 

Wenn ich von einem Fehler spreche, habe ich also eine Grundlage, auf der ich bereits vorher entscheiden kann, ob das Ergebnis falsch oder richtig sein wird. Wenn ich z.B. die Reisekostenabrechnungen mit den falschen Informationen durchführe, begehe ich einen Fehler. Von diesen Ereignissen möchte kein Unternehmen zu viel haben, da es letztlich Verschwendung ist.

Anmerkung: Ob der beschriebene Prozess selbst wirklich Sinn macht, ist ein anderes Thema. 

Bedeutung Irrtum

Bei Fragen, Ideen, Vorhaben, bei denen ich zum Zeitpunkt der Entscheidung eben noch nicht weiss, ob ich das gewünschte Ergebnis erzielen werde, arbeite ich mit Annahmen und Thesen. Erst im Nachhinein wird sich herausstellen, ob ich mit diesen recht hatte oder nicht. 

Der grosse Unterschied zum Fehler: Egal ob ich erfolgreich bin oder nicht, ich kann etwas Neues aus dem lernen, was ich getan habe. Denn ich habe etwas ausprobiert und kann mit dem Wissen und den Erfahrungen künftig einen anderen, möglicherweise vielversprechenderen Weg wählen. 

Wiederhole ich den gleichen Ansatz aber nochmal, dann kann man durchaus von einem Fehler sprechen. Denn ich hätte es besser wissen können. 

Kultur, in der Lernen ermöglicht wird

Statt von einer Kultur der Fehler zu sprechen, wäre eine Kultur des Irrens ja passender, nur ist das einfach sperrig wie eine Schrankwand. Wenn wir auf die Eingangs aufgestellte These zurückschauen, geht es letztlich ja auch darum, neues auszuprobieren um daraus auch lernen zukönnen. 

Warum sprechen wir also nicht von einer Kultur, die lernen ermöglicht? Und damit wären wir genau bei dem, worum es ja auch letztlich geht. 

Alles nur Wortklauberei?

Man könnte nun einwenden, dass dies ja alles doch irgendwo nur Wörter sind. Was stimmt – und gleichzeitig nicht stimmt. Denn wie im Artikel über Buzzwords beschrieben, arbeitet das menschliche Gehirn u.a. nach Mustererkennung. Und Fehler ist in der Mustererkennung schnell mit „falsch“ entsprechend negativ vorbelegt, d.h. da schwingt bereits etwas Unangenehmes mit. Kein Wunder also, dass sich gerade Führungskräfte mit dem Begriff schwertun. 

Daher nochmal kurz zusammengefasst:

  • Fehler: Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung hätte ich bereits wissen können, dass meine Entscheidung falsch ist.
  • Irrtum: Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung konnte ich es noch nicht besser wissen.

Nun bin ich auf eure Vorschläge gespannt. Wie ist Fehlerkultur für euch? Habt ihr Alternativbezeichnungen? 

Herzliche Grüsse

Ralf

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